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February 24 2012
“— Zwei Bücher, ein Thema: Aktivismus im Netz | Digital Life | futurezone.at: Technology-News<!-- OAS AD beginn -->
"Revolution 3.0" und "Soziale Bewegungen und Social Media"
<!-- OAS AD end -->Soziale Bewegungen und Social Media - Handbuch für den Einsatz von Web 2.0 (ÖGB Verlag, 392 Seiten, 29,90 Euro)
”
Mit ihrem "Handbuch für den Einsatz von Web 2.0” haben die Herausgeber Hans Christian Voigt und Thomas Kreiml ein aufwendiges Werk geschaffen, dem man zuallererst einmal Tribut zollen muss. Auf fast 400 Seiten beleuchten sie und etwa 80 andere Gastautoren und -kommentatoren neue soziale Bewegungen und ihre Anknüpfungspunkte ans Social Web - von "unibrennt” über "Stuttgart 21” bis zum Obama-Internet-Wahlkampf bekommt man die volle Bandbreite an politischem und sozialen Aktionismus der vergangenen Jahre präsentiert. "Soziale Bewegungen entstehen auch nicht im Web, obwohl veränderte Formen der Informationsverbreitung und die Sichtbarkeit von "rumorenden Bewegungen” sicherlich förderlich für die Manifestation dieser Bewegungen sind. Sie bedienen sich ganz einfach der Mittel der Zeit, die gerade da sind, um ihre Bedürfnisse zu erfüllen”, heißt es im Vorwort der Herausgeber. Damit ist die Marschrichtung vorgegeben: Anstatt darüber zu schwadronieren, wie Facebook und Co. vielleicht auf mysteriöse Weise Revolutionen in Nordafrika vom Zaun gebrochen hätten, hält sich das Buch ans Faktische.
Breites Wissen
Dabei ist "Soziale Bewegungen und Social Media” tatsächlich als Handbuch nutzbar und muss nicht zwingend von Seite Eins bis Seite 392 durchgelesen werden. In großen "Manuals” erfährt der angehende Netzaktivist Grundlegendes über Impressumspflicht im Netz, Urheberrecht bei YouTube, Hashtags, Blogroll, Livestreams und Co. Gewürzt werden die Wissens-Basics mit realistischen Einschätzungen zur Wirkungskraft viraler Kampagnen, Facebook-Fans und Online-Petitionen. Interessant ist auch der Blick zurück, den das Kapitel "Widerstand im Global Village” auf die guten alten Indymedia-Zeiten wirft, sowie die Ausflüge in die Welt rund um Chaos Computer Club, Hacker und Datensicherheit. Das abschließende Kapitel "Visionen einer Gewerkschaftsbewegung 2.0” hingegen ist wohl als Pflichtübung zu werten und ein wenig dem ÖGB Verlag geschuldet.
Ein Buch ist nicht das Internet
Problematisch ist das Buch jedoch nicht aus inhaltlicher, sondern aus formaler Sicht: Denn das Bestreben, die Papierausgabe an die digitale Welt heranzuführen, ist nicht ganz aufgegangen. Das im Preis enthaltene eBook sowie die begleitende Webseite sind dabei nicht das Problem, sondern vielmehr das Layout. Das fängt bei den Kapiteln an: Diese werden zwar mit einem Haufen Tags, Avatarbildern und einem QR-Code eingeleitet - doch wer der mehr als 40 Autoren das Kapitel denn nun geschrieben hat, erfährt man nicht. Fragwürdig sind auch die vielen gelben Hervorhebungen von Stichwörtern im Text - solche Markierungen sollte man besser dem Leser und seinem Textmarker überlassen. Dem Lesefluss nicht zuträglich sind auch die vielen Wiki-artigen Einschübe und Erklär-Texte (z.B. zu "Live-Stream”, "Watchblog” oder "Facebook”), die mit ihrer agressiven gelben Farbgebung ständig aus dem Haupttext reißen. Eine gute Idee hingegen sind die Kommentare von Gastschreibern am Ende jedes Kapitels, die dem Inhalt ergänzen, kritisieren, etc.
Fazit
Insgesamt ist mit "Soziale Bewegungen und Social Media” ein guter Sammelband zu den verschiedensten Aspekten von Aktivismus im und mit dem Netz geworden und strotzt nur vor Wissenswertem. Dem gegenüber steht die schwere Lesbarkeit des Titels, der vom Leser viel Umgewöhnung und Umdenken abverlangt. Denn ein Buch bleibt ein Buch, so sehr man es auch zu etwas anderem machen will.
February 19 2012
January 30 2012
October 27 2011
“— Sind die neuen „sozialen Bewegungen“ politisch? | NachDenkSeiten – Die kritische WebsiteSind die neuen „sozialen Bewegungen“ politisch?
Verantwortlich: Wolfgang LiebDie Antwort ist nicht einfach. Das Bild ist noch zu diffus. Die neuen „sozialen Bewegungen“ könnten zu einer politischen Bewegung werden, wenn es gelingt, dass sie ihre (politischen) Ziele klar definieren und nachvollziehbar begründen können, sodass man weiß wohin die Bewegung gehen soll.
Offene Diskussionen sind gut, Aktivismus ist gut und soziale Bewegung ist gut, aber irgendwann müssten die Diskussionen zu einer Meinungsfindung kommen, irgendwann müsste man wissen, was die Aktivisten konkret wollen und irgend müsste man vor allem auch wissen, wohin oder in welche Richtung die Bewegung geht.
Eine Nachbetrachtung über das „#sbsm Camp – Soziale Bewegungen und Social Media“ in der letzten Woche im Haus des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB) in Wien. Von Wolfgang Lieb
Meine Beobachtung ist subjektiv und eine einzelne Veranstaltung lässt sicherlich keine allgemeinen Rückschlüsse auf die Vielzahl der Aktionen der „Aktivisten“ der neuen sozialen Bewegungen zu. Aber da die Form dieses Camps und Art der Diskussion, die von den insgesamt wohl 300 Teilnehmern offensichtlich akzeptiert und angenommen wurde, lassen meine Beobachtungen ein Stück weit verallgemeinern.Ich schreibe diese Nachbetrachtung und bin mir dabei der Gefahr bewusst, dass ich von den „Aktivisten“ dieses Camps oder von vielen Engagierten in den neuen sozialen Bewegungen auf anderen Gefilden, wohl als Ewiggestriger, jedenfalls als einer der noch nach den „alten“ politischen Ritualen sozialisiert ist, abgestempelt werde. Ich bin mir auch darüber im Klaren, dass ich vielen „AktivistInnen“ und dem Innenleben in vielen konkreten sozialen Bewegungen nicht gerecht werde. Dennoch drängt es mich, auf Gefahren hinzuweisen:
Die Einladung zu diesem „#sbsm Camp“ erhielt ich, weil ich für ein vom Verlag des Österreichischen Gewerkschaftsbundes verlegtes und von Hans Christian Voigt und Thomas Kreiml herausgegebenen Handbuch „Soziale Bewegungen und Social Media – Handbuch für den Einsatz von Web 2.0“ ein Interview über den Sinn und Zweck der NachDenkSeiten gegeben hatte.
Dieses Handbuch ist geradezu eine Fibel oder, besser gesagt, ein Handwerkskasten für alle „Aktivisten“, die sich der „Social Medias“ für ihr soziales Engagement bedienen möchten. Dieses Buchprojekt war Anstoß zu diesem Camp im Gewerkschaftshaus des ÖGB in Wien vom 19. bis zum 21. September.
Weil mich sowohl das Thema als auch die Veranstaltungsform interessiert hat, hatte ich schon im Frühsommer meine Teilnahme zugesagt. Zwischenzeitlich hatte ich zwar viele Mails über die Planungen des Camps erhalten, aber bis wenige Tage vor der Veranstaltung habe ich nicht gewusst, was von mir erwartet wird, worauf ich mich vorbereiten oder wie ich mich einbringen sollte. Erst wenige Tage vor dem Camp, als ich bei der Präsentation des Handbuches auf der Frankfurter Buchmesse, den Direktor des ÖGB Verlags Gerhard Bröthaler und die Organisatoren des Camps Christian Voigt und Thomas Kreiml getroffen habe, wurde mir in Umrissen klar, was mich da in Wien erwarten sollte.
Es seien vor allem „AktivistInnen“ geladen und es solle bewusst vermieden werden, dass jemand für eine Bewegung oder Organisation spricht. Es soll ohne vorbereitete Inputs (Referate) gearbeitet werden, die Diskussion soll von den jeweiligen konkreten Arbeitsfeldern der TeilnehmerInnen ausgehen und bestimmt werden. Die Gespräche sollen zwar moderiert sein, aber sich möglichst frei entwickeln. Die zentrale These könnte man so umreißen: das politische System hat heute das „Primat der Politik“ verloren und die sozialen Bewegungen werden zunehmend zu den Akteuren, die „Politik“ bewegen, politische Gestaltungskraft und politisches Handeln einfordern.
Mit ziemlich gemischten Gefühlen bin ich nach Wien gefahren. Ich bin nun seit meinem 18. Lebensjahr, angefangen von der Schülervertretung, über die Studentenbewegung, als Gewerkschafter und als Mitglied einer Partei politisch aktiv, aber eine (politische) Veranstaltung ohne „Inputs“, ja ohne ein konkretes Ziel oder ohne Erwartung einer Meinungsbildung zu einem bestimmten Thema, das hatte ich noch nie erlebt – nicht einmal in der sog. antiautoritären Bewegung Anfang der 70er Jahre. Als ich dann das ein DIN-A3-Blatt füllende Programm am Tagungsort vorfand, konnte ich mir schon gar nicht mehr vorstellen, was da in den zweieinhalb Tagen ablaufen sollte.
An die 50 ganz unterschiedliche Themen sollten jeweils eineinhalb Stunden in jeweils parallel tagenden Arbeitskreisen diskutiert werden. Das Themenspektrum reichte von sog. Flashmobs (also über Mobiltelefone und Internet organisierte kollektive direkte Aktionen), über die Frage „Wie bringen wir Anliegen und Themen in die Gesellschaft“, „Digitale Bürgerrechte“, „Krise und Angst“, „Grassroots vs Apparat“, „Kampagnen der Arbeitgeber die auf Sprache zielen“, „Feminismus 2.0“, prekäre WissenschaftsarbeiterInnen bis hin zur Frage „Wie Social Media die Medienlandschaft verändert“. Diskutiert werden sollten auch neue Formen demokratischer Beteiligung, etwa über die von der „Piraten-Partei“ in Ansätzen propagierten „Liquid Democracy“ usw. usf.
(Ein ORF-Radio-Beitrag versucht das Geschehen zusammenzufassen, hier auch noch eine Zusammenfassung des Camp-Video-Teams)
Obwohl ich tapfer und diszipliniert von morgens bis abends Arbeitsgruppen besuchte und mich an den Diskussionen beteiligte, konnte ich natürlich nur einen kleinen Teil des Angebots verfolgen. Ich maße mir deshalb kein Gesamturteil an. Zumal es keine Plenumsberichte oder Zusammenfassungen aus den Arbeitsgruppen im Plenum gab.
Was ich – zunächst einmal ganz oberflächlich betrachtet – bemerkenswert fand, war allein schon die Tatsache, dass sich eine große Zahl jüngerer Menschen, die schon aufgrund ihres äußeren Erscheinungsbilds und mit ihren zahllosen Laptops gar nicht so Recht dahin passten, in einer Gewerkschaftszentrale aufhielten. Es war ein buntes Treiben im ÖGB-Haus. (Vgl. die Fotostrecken hier und hier.)
Ich vermute, dass der überwiegende Teil der Camp-Teilnehmer noch nie die Schwelle zu einem Gewerkschaftshaus überschritten haben dürfte und schon gar nicht mit einer Gewerkschaftsorganisation Kontakt hatte. Insofern war dies angesichts der eigenen Alters- und Sozialstruktur von Gewerkschaften ein wagemutiger Schritt des ÖGB hin zu einer gänzlich anderen „Subkultur“. Leider haben sich – bis auf die das Camp organisierenden Mitarbeiter des ÖGB und bis auf die beauftragten Projektorganisatoren – die „Hierarchen“ des Gewerkschaftsbundes nicht gezeigt. Allein der Direktor des ÖGB-Verlags Gerhard Bröthaler stellte sich tapfer der Herausforderung.
Dennoch halte ich diese „Öffnung“ der Gewerkschaft für einen mutigen und richtigen Schritt, um überhaupt Brücken zu den unterschiedlichsten sozialen Bewegungen schlagen zu können.Die Herkunft der Teilnehmer/innen war recht vielfältig, so waren die Internetbetreiber/innen der deutschen Gewerkschaften ver.di und der IG Metall genauso vertreten, wie Vertreter/innen der katholischen Laienbewegung, AktivistInnen von „Stuttgart 21“ oder der studentischen Protestbewegung „uni brennt“. Ich traf Internet- oder „Web 2.0“-AktivistInnen ganz unterschiedlicher Felder – von Bloggern über Twitter- und Facebook-Kampagnenmachern bis zu Video-Stream-Reportern. Überwiegend männlich, aber auch viele Frauen.
Überrascht hat mich weiter die Diskussionskultur in den von mir besuchten Arbeitsgruppen. Es gab – wie gesagt – keine Einführungsreferate (Inputs) und auch keine klassischen Podien. Die Diskussionen wurden überwiegend nur von Moderatoren mit Fragen angestoßen, um dann in eine offene Diskussion zu kommen – was zumeist auch klappte. Die Diskutanten traten nicht als Repräsentanten von bestimmten Gruppen auf und es gab nicht die übliche Hierarchie von „Experten“ und „Betroffenen“ bzw. „Laien“. Obwohl sehr offen, hielten sich die Diskussionen an die aufgeworfenen Fragen und verhedderten sich nicht an oft „steilen Thesen“ einzelner Gesprächspartner. Jede und Jeder konnte seine Meinung oder seine Position vortragen, alle waren gleichberechtigt. Jedes Argument wurde fair respektiert. Auch wenn Thesen hartnäckig vertreten wurden, gab es keine „Flügelkämpfe“ oder gar hitzige Debatten darüber, wer nun Recht hat. Es gab allerdings auch keine Zusammenfassungen oder keine „Ergebnisse“ aus den Arbeitsgruppen, so dass kontroverse Positionen einfach im Raum stehen blieben.
Die Veranstaltungsform und die Diskussionskultur könnte man vielleicht als eine Mischung aus „Kirchentag“, Hochschulseminar und Selbsthilfegruppe beschreiben, nur eben ergänzt durch Twitter-Zurufe von außen und übertragen als Live-Stream im Internet.
Das weitgehend übereinstimmende Grundmotiv der Diskutanten könnte man vielleicht grob so zusammenfassen: Es gibt ein massives Unbehagen an der herrschenden Politik, die politische Elite (also Parteien, Verbände oder sonstige gesellschaftliche Großorganisationen) genießt kein Vertrauen mehr, sie gilt als von der gesellschaftlichen Basis abgekoppelt und getrieben von mächtigen Finanz- und Kapitalinteressen (z.B. den Banken und der Finanzwirtschaft, dem reichen einen Prozent in der Gesellschaft eben). Die Rituale in den etablierten Organisationen sind erstarrt, demokratische Teilhabe oder Mitbestimmung funktionieren nicht mehr, das Mitmachen in Organisationen (also Parteien, Gewerkschaften, Kirchen) bewirkt nichts.
Kurz: Es sind „Empörte“, die gegen die bestehenden Zustände „aktiv“ sind oder werden wollen und die Veränderung nur noch durch Bewegungen von unten, „basisdemokratisch“ von „sozialen Bewegungen“ erhoffen. Und man sucht nach (radikal-)alternativen Formen – vor allem über das Internet verbreitete Kommunikationsformen – zur Überwindung der Herrschafts- bzw. (allgemeiner) Systemstrukturen.
Was sich mir im Wiener Gewerkschaftshaus auf dem „#sbsm Camp“ darbot, scheint mir als Ausschnitt auch die Struktur der „Occupy Bewegung“ widerzuspiegeln. Nämlich eine offene Bewegung, die möglichst alle, die aus unterschiedlichsten Gründen ein Unbehagen an den herrschenden Machtverhältnissen und an der etablierten Politik sowie den vorhandenen Institutionen haben, kurz, alle die sich empören, aufnehmen will. Aus Sorge vor einer Instrumentalisierung durch mächtige herrschende Interessen, setzt man auf eine Art „Barcamp“- oder Open Space-Dynamik – will sagen, auf offene Diskussionen über Themen gemeinsamer Betroffenheit oder Empörung deren Inhalte und Ablauf von Gleichberechtigten als Anwesende oder über Internetkanäle – bzw. Social Medias (Twitter, Facebook) selbst entwickelt und bestimmt wird, an deren Ende dann möglicherweise eher eine (Protest-)Aktion als eine gemeinsame inhaltliche (politische) Forderung steht.
Dieser offene Dialog und die Akzeptanz ganz unterschiedlicher Meinungen unter den „AktivistInnen“ machen solche Formen eines gemeinsamen Lernprozesses für viele Menschen ganz unterschiedlicher Weltanschauung oder politischer Einstellung sympathisch und einbindend. Andererseits bleibt der Meinungsbildungsprozess diffus, ja sogar widersprüchlich, er mündet eben eher in einer gemeinsamen öffentlichen Aktion oder in einer Internet-Kampagne, bei der aber gleichfalls jeder für seine Auffassung eintreten kann, also seine Plakate hochhalten oder seine Internet-Community „viral“ aktivieren kann.
Diese gewinnende Offenheit für ganz unterschiedliche Meinungen und politische Positionen – vereint nur im Widerstand gegen einen gesellschaftlichen Misstand oder gegen eine Entscheidung der Regierenden – dürfte aus meiner Sicht gleichzeitig zum Kernproblem solcher Art neuer sozialer Bewegungen werden. Sie mögen breite Schichten ansprechen und sie mögen – wie etwa die Occupy Bewegung – ein allgemein anerkanntes, berechtigtes Anliegen vortragen und überfälligen Protest zum Ausdruck bringen, für den bis zu Angela Merkel und sogar Helmut Schmidt alle Verständnis aufbringen. Aber solche Aktionen bleiben (jedenfalls zunächst) nur kritische Appelle an diejenigen, die Herrschaft ausüben. Solche sozialen Bewegungen mögen eine bestimmte Politik oder die herrschenden Verhältnisse ablehnen, aber sie stellen ihnen keine konkrete Alternative gegenüber. Oder sie entwickeln Gegenentwürfe – wie z.B. bei Stuttgart 21 – erst in einem langwierigen Prozess mit Hilfe von Fachleuten oder von sich im Laufe der Diskussion zu Experten entwickelnden AktivistInnen. Damit dürften solche Bewegungen aber oftmals der „Macht des Faktischen“ hinterherlaufen und an ihr scheitern. Was dann bei den Beteiligten eher zu Frustration und Resignation als zu weiterem Engagement führen dürfte.
Der ausschließlich moderierte und sich nicht an inhaltliche Inputs orientierende Diskussionsprozess, bei dem sozusagen jeder oder jede vertreten kann, was er oder sie will, ist gleichzeitig eine Gefahr für solche offenen Bewegungen. Die Offenheit ist nämlich eine offene Flanke. Solche Bewegungen sind dadurch in ihren Positionen beeinflussbar und z.B. über das Internet durch anonyme Teilnehmer an diesem Meinungsbildungsprozess von außen durchdringbar – gerade auch durch verschwörungstheoretische oder mit suggestiver Kraft vorgetragenen sektiererischen Positionen unterschiedlichster Herkunft bis hin zu besonders aktiven Gruppen aus dem (rechts-) populistischen Lager. Man will gar nicht erst daran denken, dass sich mächtige Institutionen der öffentlichen Meinungsmache mit ihren Apparaten und vor allem mit ihren Parolen einmischen. (Die haben inzwischen die Methoden der viralen Propaganda professionalisiert.)
Umso wichtiger ist es, dass aufklärerische, emanzipatorische oder fortschrittliche Positionen in den Meinungsbildungsprozess eingebracht werden. Das mag vielen politisch Aktiven, die in etablierten Organisationen wie Gewerkschaften, Kirchen oder gar Parteien engagiert sind, schwer fallen, weil sie eine völlig andere Kultur der politischen Meinungsbildung gewohnt sind, die üblicherweise in einer kontroversen Debatte zu einem Beschluss führt oder bestimmte Personen als Repräsentanten für ein mehrheitlich abgestimmtes Programm wählt. Es wäre jedoch ein schwerer Fehler, wenn die auf diese Art sozialisierten politisch Aktiven nicht auf die neuen „sozialen Bewegungen“ zugehen würden. Nicht nur weil sie damit ein wichtiges Potential für gesellschaftliche (und damit auch politische) Veränderung sprichwörtlich links liegen lassen würden, sondern weil sie sich damit von einem beachtlichen Teil der jüngeren Generation isolieren würden. Insofern war die Entscheidung des Österreichischen Gewerkschaftsbundes, für AktivistInnen in Social Media und in Sozialen Bewegungen die Tür zu öffnen, eine richtige und eine kluge Entscheidung.
Um aber nicht in bloßem Aktivismus zu enden oder um nicht nur eine Bewegung um der Bewegung willen zu bleiben, die (jedenfalls in aller Regel) zwar berechtigten, aber ohnmächtigen Protest ausdrückt, der aufgrund seiner Wirkungslosigkeit eher zu Resignation und damit wiederum zu Passivität führt, müsste es den sozialen Bewegungen gelingen, ihre (politischen) Ziele klarer zu definieren und nachvollziehbarer zu begründen.
Mein vorläufiges, sicherlich noch sehr subjektiv gefärbtes Fazit zu den neuen Sozialen Bewegungen ist:
Offene Diskussionen sind gut, Aktivismus ist gut und soziale Bewegung ist gut, aber irgendwann müssten die Diskussionen zu einer Meinungsfindung kommen, irgendwann müsste man wissen, was die Aktivisten konkret wollen und irgendwann müsste man vor allem auch genauer wissen, wohin oder in welche Richtung die Bewegung geht.
Die Ansätze für eine demokratische Gegenöffentlichkeit sind da und die technisch-kommunikativen Möglichkeiten auch. Vielleicht fehlt es nur noch an den „zündenden“ Ideen, damit die neuen sozialen Bewegungen sich in ein fortschrittliches demokratisches Lauffeuer ausbreiten, das die herrschende Politik – wie in Nordafrika – ernsthaft bedroht.
”
October 25 2011
October 07 2011
“— Social Media: Handbuch für soziale Bewegungen « Aus Liebe zur FreiheitSocial Media: Handbuch für soziale Bewegungen
07Okt11<!-- The following two sections are for a noteworthy plugin currently in alpha. They'll get cleaned up and integrated better -->”Heute kam das Päckchen mit den Belegexemplaren des wirklich schön gewordenen Handbuchs „Soziale Bewegungen und Social Media“ an, und während ich vorhin bei der Friseurin darauf wartete, dass meine Haare orange wurden, habe ich ausgiebig drin geschmökert. Das aufwändig und mit liebevoller Geduld von den Herausgebern Hans Christian Voigt und Thomas Kreiml zusammengetragene Material macht wirklich gut anschaulich, wie soziale Medien von politischen Initiativen, Akteur_innen, Gruppen und non-profit-Organisationen eingesetzt werden können.
Gut war die Entscheidung, gleich mit Fallbeispielen einzusteigen – darin hab ich mich gleich festgelesen. Und entgegen meiner eigenen Theorie festgestellt, dass Print durchaus Vorteile hat, weil man Zusammenhänge mal an einem Stück nachliest. Natürlich habe ich von Stuttgart 21 oder von Unibrennt über die diversen Kanäle immer was mitbekommen, natürlich lese ich schon lange den Blog von Anne Roth, aber schön, die Projekte hier mal auf den Punkt gebracht umrissen zu bekommen. Ich könnte mir denken, dass diese Praxisberichte Leuten Lust machen, auch mit ihren eigenen Themen was zu machen.
Der zweite Teil enthält „Manuals“ mit ganz konkreten Anleitungen dazu, was man wofür braucht und ist hilfreich sowohl für totale Newbies als auch für Leute und Initiativen, die schon im Web 2.0 zu gange sind, denn die meisten fangen damit ja an irgend einer Ecke an und kaum jemand kennt sich mit sämtlichen Kanäle und Möglichkeiten aus. Schön über das Buch verteilt, aber optisch hervorgehoben ist übrigens auch ein Glossar, in dem die gängigen Fachbegriffe gut verständlich erklärt werden.
Der dritte Teil heißt „no borders“ und wirft, dem Inhaltsverzeichnis nach, einen Blick auf die internationalen Zusammenhänge, den habe ich noch nicht gelesen. Und das Abschlusskapitel ist mit „Visionen“ überschrieben, darin befindet sich auch mein eigener Text.
Alles Weitere auf der Webseite. Das Buch ist noch nicht über Amazon zu haben (kommt aber sicher bald), man kann es aber schon beim ÖGB-Verlag bestellen. Es ist 396 Seiten dick und kostet 29,90 Euro.
September 30 2011
September 15 2011
September 11 2011
Vorschau Raumplan
Der Sommer ist fast vorbei. Das Buch wird in ein paar Tagen aus der Druckerei kommen. In eineinhalb Wochen steht der 1. #sbsmTaalk an, anlässlich des Erscheinen des Handbuchs als Druckwerk mit fast vierhundert Seiten.
Parallel dazu gehen die Vorbereitungen zum #sbsmCamp im Oktober in die Intensivphase über. Die nächsten Tage und Wochen wird dieses CampBlog ziemlich belebt werden.
Heute gibt’s eine Vorschau zum Raumplan. Weil gerade daran gebastelt. Und damit jetzt Wochenende, raus in die Sonne und den Sturm suchen …
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Nur soviel noch, der große Veranstaltungssaal im Plan rechts unten würde bei einer Bestuhlung à la Theatersaal über 400 Personen Platz geben, die Seminarräume links oben fassen 60-90 Personen … es wird alles werden: lustig, gemütlich, lebendig, interessant, vielseitig und vielschichtig.
Bis bald, nächste Woche geht es mit den Ankündigungen richtig los. Anmelden kann mensch sich jetzt schon via Formular hier.
August 09 2011
May 19 2011
Räume gesichert, Konzept entwickelt sich
momentan Termine Termine Termine …
Das Team oder eigentlich eher “Netzwerk” der in die Veranstaltungsplanung involvierten Personen wächst mit diesen Terminen beständig. Wir haben uns die Arbeit etwas aufgeteilt und zwar entlang der angedachten Schwerpunkte und Themenleisten, die Thomas hier schon kurz skizziert hat. Aktueller und also noch sehr früher Stand der Überlegungen ist, dass wir unsere Schwerpunkte mit Halbtagen verbinden und dass “Schwerpunkt” heißt, der große Saal wird pro Halbtag thematisch bespielt.
Großer Saal: dh. übrigens ziemlich groß, fast 500 Personen Fassungsvermögen. Das natürlich nur bei einer Bestuhlung à la Kinosaal. Unsere Vorstellungen gehen freilich in eine andere Richtung, mehr wie bei einer Messe, bei einem Festival, immer mit offenen Türen und in Bereichen des Saals und der angrenzenden Nischen dann die Volksküchen-Station (VoKü), an anderer Stelle das Medienzentrum, einen Ausstellungs- und Messestandbereich, natürlich Infotisch am Eingang vor der Halle …

… so irgendwie. Manchmal wird schon auch die Bühne zentral bespielt werden, möglicherweise gibt es auch den einen oder anderen Film zu sein, Dokus zum Beispiel. In der Regel wird aber gearbeitet werden, in Workshops, in World Café Arbeitsweisen, in Arbeitsgruppen. Und das alles wie gesagt thematisch pro Halbtag zugespitzt.
Und dann gibt es noch die weiteren Räume, alleine zwei Seminarräume mit Fassungsvermögen bis zu 60 Personen und über das lange Foyer vor dem Veranstaltungssaal erreichbar. Einen Raum werden wir mit einer Sofalandschaft für Podiums- und Publikumsdiskussionen so vorbereiten, dass für Live-Streams und Videoaufzeichnungen gute Ton- und Bildverhältnisse vorbereitet sind.
Weitere Workshop-Räume für 20 bis 30 Personen sind ebenfalls bereits reserviert.
So in etwa könnten dann Schwerpunkte entlang der 2 Tage, also 4 Halbtage aussehen:
Das gilt es jetzt alles weiter auszuarbeiten und vorzubereiten. Wir versuchen es ebenso kollaborativ wie das Buch anzugehen, genauso wie im Fall der Arbeit am Buch wieder über unser Arbeitswiki koordiniert. Mit von der Partie sind bereits Leute von Attac, dem DGB, MALMOE, dem Inst.f.PWI usw. Aber dazu später mehr …
Räume gesichert, Konzept entwickelt sich
momentan Termine Termine Termine …
Das Team oder eigentlich eher “Netzwerk” der in die Veranstaltungsplanung involvierten Personen wächst mit diesen Terminen beständig. Wir haben uns die Arbeit etwas aufgeteilt und zwar entlang der angedachten Schwerpunkte und Themenleisten, die Thomas hier schon kurz skizziert hat. Aktueller und also noch sehr früher Stand der Überlegungen ist, dass wir unsere Schwerpunkte mit Halbtagen verbinden und dass “Schwerpunkt” heißt, der große Saal wird pro Halbtag thematisch bespielt.
Großer Saal: dh. übrigens ziemlich groß, fast 500 Personen Fassungsvermögen. Das natürlich nur bei einer Bestuhlung à la Kinosaal. Unsere Vorstellungen gehen freilich in eine andere Richtung, mehr wie bei einer Messe, bei einem Festival, immer mit offenen Türen und in Bereichen des Saals und der angrenzenden Nischen dann die Volksküchen-Station (VoKü), an anderer Stelle das Medienzentrum, einen Ausstellungs- und Messestandbereich, natürlich Infotisch am Eingang vor der Halle …

… so irgendwie. Manchmal wird schon auch die Bühne zentral bespielt werden, möglicherweise gibt es auch den einen oder anderen Film zu sein, Dokus zum Beispiel. In der Regel wird aber gearbeitet werden, in Workshops, in World Café Arbeitsweisen, in Arbeitsgruppen. Und das alles wie gesagt thematisch pro Halbtag zugespitzt.
Und dann gibt es noch die weiteren Räume, alleine zwei Seminarräume mit Fassungsvermögen bis zu 60 Personen und über das lange Foyer vor dem Veranstaltungssaal erreichbar. Einen Raum werden wir mit einer Sofalandschaft für Podiums- und Publikumsdiskussionen so vorbereiten, dass für Live-Streams und Videoaufzeichnungen gute Ton- und Bildverhältnisse vorbereitet sind.
Weitere Workshop-Räume für 20 bis 30 Personen sind ebenfalls bereits reserviert.
So in etwa könnten dann Schwerpunkte entlang der 2 Tage, also 4 Halbtage aussehen:
Das gilt es jetzt alles weiter auszuarbeiten und vorzubereiten. Wir versuchen es ebenso kollaborativ wie das Buch anzugehen, genauso wie im Fall der Arbeit am Buch wieder über unser Arbeitswiki koordiniert. Mit von der Partie sind bereits Leute von Attac, dem DGB, MALMOE, dem Inst.f.PWI usw. Aber dazu später mehr …
April 02 2011
“— Warum Twitter ein sicherer Ort ist — CARTATina Piazzi und Stefan M. Seydel (http://rebell.tv und http://dfdu.org) haben eigene Feldforschungen zu Suchbewegungen im Umfeld des Internets betrieben und dazu auch ein mehrbändiges Buchwerk veröffentlichen – “Formen der Unruhe”.
Auf medienheft.ch fassen sie einige ihrer Thesen in einem sehr dicht gewebten kulturtheoretischen Text zu sammen.
Hier einige Auszüge aus dem Text:
1. Die Problemanalyse
Es ist leicht zu beobachten, wie in der Bewältigung der aktuellen Herausforderungen einer computervermittelten Kommunikation die Problemlösungsversuche selbst zum Problem werden:
(1) Wer meint, Informationsüberfluss durch härtere, präzisere, konsistentere Analyse in beruhigende Übersicht zu verwandeln, irrt. (Gründlich. Grundsätzlich. Prinzipiell.)
(2) Wer meint, Informationen seien kontrollierbar, disziplinierbar, normierbar, der muss sich sagen lassen, dass jeder Totalitarismus genau diese Ziele verfolgt hat. (Autsch!)
(3) Wer meint, weiterhin Informationen beschränken, bündeln, sortieren, kanalisieren zu können, darf den Einsatz von gewaltiger Macht nicht scheuen. (Just do it. Yes we can.)
(4) Wer meint, eine Information müsse bloss «kurz, knackig, knackiger» vermittelt werden, es gewinne einfach jener, welcher länger, lauter, penetranter penetriere, hat vermutlich Recht. (Und jetzt? Wir haben verstanden.)
2. Twitter: Was ein Jemand da für einen macht – und warum es beruhigend ist
Um praktischer zu werden: Ein Jemand wählt das «Richtige» für jemand anders aus (1) und entfernt in der Aufarbeitung (2) alles Störende, Überflüssige, Unnötige und Ablenkende, fixiert diesen «Content» in gekonnt strategisch gestalteten, konservierenden Kanälen (3) und übermittelt diese ruckelfrei zur unterhaltenden Konsumation (4).
Um deutlicher zu werden: Die im ersten Moment durchaus als entlastend empfundene Dienstleistung wirkt tatsächlich höchst beunruhigend. Denn selbstverständlich ist jede Information stets von einer blitzartigen Unterlaufung durch eine ganz andere Information bedroht. Wir leiden ja nicht bloss unter einem Informationsüberfluss. Das Problem ist wesentlich dramatischer: Alles was gewusst werden kann, wird tatsächlich gleichzeitig auch ganz anders gewusst.3. Warum Twitter-Kommunikation Sicherheit ausstrahlt
Wir behaupten, dass ein guter Twitter-Tweet zum Beispiel so aussehen könnte:
«@hidogawa @socialbits #social #bits trunc.it/9gx3a RT @hrheingold: RT @jyri: «ideas» as social objects: bit.ly/bA2Azy».
Dabei fällt zunächst auf, dass eine solch kryptische Zeichenkette auf Papier gedruckt selbst für gewandte Twitterer weitgehend sinnlos ist. Weiter kann beobachtet werden, dass offenbar der Gehalt dieser Mitteilung über Entschlüsselung der Beziehungen von Personen, Worten und Verbindungen erschlossen werden muss.
Nicht Inhalte bilden den Anlass der Kommunikation, sondern Relationen. Nicht einmal ein Ansatz zu einem Versuch einer eindeutigen Information ist ersichtlich. Vielmehr öffnen sich Bezüge und Hinweise in unterschiedlichste Richtungen. Ein inhaltliches Verstehen einer solchen Mitteilung ist so gänzlich unmöglich gemacht, dass sogar das Missverständnis ausgeschlossen werden kann. Oder einfacher: Das Missverständnis wird zum Normalfall der Kommunikation gemacht.
Listen sind offene Ordnungen. Für alles, was plötzlich noch auftauchen könnte, hat es genügend Platz. Allenfalls beginnen wir eine nächste Liste. Und so kann schliesslich dieser «Ort» – die Kommunikation innerhalb von Twitter – gerade darum als «sicher» empfunden werden: Es ist ein Raum, welcher kaum geeignet ist, Bezeichnetes auszuschliessen, aber vielmehr Ausgeschlossenes zu integrieren vermag.Mehr hier.
”
google map zu #sbsm
Visualisierung aus der Perspektive des Schulatlas oder der Galileo-Satelliten. Entstanden als Folge, den Veranstaltungsort des #sbsmCamp im Herbst per google map sichtbar machen zu wollen. Jetzt ist dieser #sbsm-Atlas die nächste «under construction» Baustelle, bei der mensch den Fortgang der Buchprojekts verfolgen kann. Die Marker werden noch mehr werden …
#sbsm Handbuch Karte auf einer größeren Karte anzeigen
google map zu #sbsm
Visualisierung aus der Perspektive des Schulatlas oder der Galileo-Satelliten. Entstanden als Folge dessen, den Veranstaltungsort für das #sbsmCamp im Herbst per google map sichtbar machen zu wollen. Jetzt ist dieser #sbsm-Atlas die nächste «under construction» Baustelle, bei der mensch den Fortgang der Buchprojekts verfolgen kann. Die Marker werden noch mehr werden …
#sbsm Handbuch Karte auf einer größeren Karte anzeigen
April 01 2011
Grobsatz
Ich lerne neue Wörter. Grobsatz zum Beispiel. Die Vorstufe zum Feinsatz. Erklären muss ich Grobsatz nicht, unten folgt stattdessen ein Anschauungsbeispiel. Neben ganz neuen Wörtern sind da einige Begriffe der Kategorie passiver Wortschatz, die mir schon länger geläufig waren, die aber je nach Tagesverfassung und chinesischem Sternzeichen bißchen gebraucht haben, in meinem Gedächtnis richtig zugeordnet zu werden. Der Begriff Versalien etwa. Den hab ich in den letzten Wochen eindeutig in den aktiven Wortschatz übernommen, des öfteren in Diskussionen und Abstimmungsprozessen selbst aussprechend. Ähnliches gilt leider für den Begriff Migräne. Die Hoffnung besteht, dass diese Phase vorbei ist. Hat bereits zwei Monate gekostet. Nebenwirkungen einer heilsamen Therapie, Geltungsdrang beleidigter Spinalnerven. Aber mein Mitherausgeber hat sich umgekehrt das Schlüsselbein gebrochen.1
Gestern war ich wiedermal paar Stunden im Verlag und hab dort Kolleg_innen belegt. Dietmar vom Satz, dh. eben eigentlich: Dietmar vom Grob- und Feinsatz. Anhand des Beitrags zur Pressearbeit von unibrennt damals in der heißen Phase der Audimax Besetzung, anhand dieses Beitrags also, ersuche ich Dietmar, ob wir nicht noch ein wenig am Layout feinjustieren können. Obwohl ich weiß, dass ich Dagmar letzte Woche versprochen hatte, ja, das Layout ist abgenommen. Gegessen, fertig, abgesegnet. Finito, geschlossen, versiegelt, erledigt. Abgehakt.
Aber Dietmar hat mich rangelassen, hat mitgespielt. Ja, den Gesamteindruck noch ruhiger machen, mhm, schauen wir mal. Kein Leichtes angesichts der vielen “kinky elements”, wie ich sie immer nenne, aber da vielleicht die Einschubtitel, da nehmen wir die gleiche Schrift wie bei den Zwischenüberschriften. Und bei den Einschüben für die Bildelemente, geht da noch etwas? Wenn wir den Titel der Bildbox nicht über den drei thumbnails sondern unter die thumbnails und über die Legende setzen, – und können wir es bitte normal und nicht italic haben?, – dann bildet die Oberkante der Bildeinschübe eine schöne, ruhigere Fluchtlinie.2 Dagmar hat übrigens gar nicht protestiert, als sie gesehen hat, dass ich bei Dietmars Arbeitsplatz sitze und er grad im Indesign rumschraubt, weil ich mir was von “ruhiger” und “Versalien da weg” und so einbilde … Dabei haben die anderen schon gewartet.
Ich hab ja übrigens noch nie erzählt, dass wir ein Arbeitswiki haben! Seit Juli nämlich schon, Passwort geschützt, damit alle gut 40 Mitwirkenden Autor_innen dieses Buchprojekts, natürlich verstreut vom Prenzlauer Berg über Frankfurt, Stuttgart bis St. Gallen, Linz, Eisenstadt und wo immer Antje Schrupp und Robert Misik gerade unterwegs sind, damit wir alle also eine gemeinsame Arbeits- und Nachschauplattform haben, was wir da eigentlich für ein irres Buch basteln wollen. Aber zum Wiki ein anderes Mal, jetzt nur soviel: wir spielen auch das Lektorat über das Wiki und Dietmar setzt die Buchbeiträge direkt aus dem Wiki ins Indesign. Das funktioniert ganz gut, inklusive der Bilder. Die sind als Gallerien eingefügt und Dietmar holt sich die png’s von dort. Die QR Codes ebenfalls. Ich bereite sie vor, er kopiert und fügt ein. (Oder speichert er die QR Codes als Dateien ab? Ich weiß es eigentlich gar nicht.)
Die Avatare kann er nicht aus dem Wiki nehmen, da braucht es die Vektorgrafiken, die ai-Dateien, und die sind nicht im Wiki sondern bei Natalia, der Grafikerin und gezwungenen Massen-Produzentin von Avataren. Im Wiki sind pro Buchbeitrag nur die Links zu den #sbsm Profilbildern der Autor_innen und gegebenenfalls #sbsm verfremdete Logos eingefügt. Die Links führen zu Pixelgrafiken auf diese Plattform (die, wo wir jetzt grad sind). Dietmar muss also nachschauen, welche Avatare zum Einsatz kommen und sich die dann von Natalia holen. “Ob jetzt schon alle Avatare freigegeben sind“, fragt Dagmar, “und woran Dietmar sehen kann, dass ich sie freigegeben hab oder nicht?” Kompliziert, darauf geh ich jetzt nicht ein. “Und ob zwischen Dietmar und Natalia das mit dem Weitergeben der Avatare klar ist?” Ist soweit klar, sagen Dietmar, Natalia, Habiba und ich. Dagmar ist die Projektmanagerin und, ich nehme an, diesbezüglich etwas erleichtert. Habiba ist Praktikantin und Pivot für uns alle. Sie macht die Drehscheibe zwischen dem Wiki und der Lektorin und zwischen der Lektorin und Dietmar und dann wieder mir und wahrscheinlich auch zu Dagmar, und sie protokolliert im Wiki, checkt den Grobsatz, hält den Dateienfluss am koordinierten Laufen, hat jetzt auch noch zwei zu klärende Punkte auf ihrer Liste für die heutige Besprechung usw. … Nächster Punkt.
(Zu den Avataren wollte könnte sollte ich auch mal einen Projektblog Eintrag schreiben …)
Alle gemeinsam besprechen wir einige Aspekte des Beitrag Setzens, die zwischen Dietmar und mir geklärt werden müssen, aber dann auch wieder Natalia betreffen, wo es um grundlegende Layoutfragen geht. Abwägungen, ob jeder neue Beitrag auf einer rechten Seite beginnt, kurze Exkurse aus ausgebildetem Munde über das Für und Wider. Nachdem das geklärt ist, welche Leitlinie haben wir für Beitragsenden: was wenn ein Beitrag auf einer rechten Seite ganz oben endet, was wenn er mit der letzten Zeile eine linke Seite ziemlich vollständig ausfüllt? Ich bringe ins Spiel, was mir schon seit Monaten im Hinterkopf als Möglichkeit rumschwebt: Ich könnte mir vorstellen, sage ich, dass ich den einen oder anderen Glossar-Eintrag, der nicht eindeutig einem Buchbeitrag zugeordnet ist, gerne dort unterbringen würde, wo sich viel leerer Raum zwischen einem Beitragsende und einem neuen Beitrag ergibt. … So geht es weiter, die Dichte an Detailfragen und -spielräumen ist faszinierend. Irgendwann kann Dietmar gehen, zurück zum unibrennt Beitrag Grobsatz.
Die nächsten Punkte betreffen vor allem die Kompetenz von Natalia. Die Grafikerin. Die Kapitel- bzw. Abschnittdeckblätter sind noch zu strukturieren, ein Layout für diese Seiten zu entwickeln. Wir wollen mit bekannten Elementen von längeren Wikipedia-Einträgen spielen. Kategorien kommen möglicherweise auch ins Spiel, die Avatare aller Autor_innen des jeweiligen Abschnitts könnten eine Rolle auf diesen Abschnitte einleitenden Deckblättern bekommen. Ich bin schon neugierig auf Natalias Entwurf. Auch auf die Entwürfe für ein #sbsm-Logo.
Dann kommt noch dies und das, ich zeige wieder einiges auf der Plattform her (ja, diese hier), was zuletzt bei den Autor_innen-Seiten weitergegangen ist. Niel kommt ins Spiel, auch Praktikant im Verlag und so wie Habiba von der Fachhochschule St. Pölten. Dort unterrichtet der Verlagschef, die Praktikant_innen im Verlag sind auch seine Student_innen. Niel soll für uns Feeds bündeln und so Zeugs. (Auch so eine Geschichte, die man mal länger hier am Projektblog erzählen könnte.) Zwischendurch bekomm ich von Liss den Ausdruck einer Mindmap in unseren Besprechungskäfig reingebracht. Liss ist Projektmanagerin so wie Dagmar, aber für Veranstaltungsprojekte des Verlags, Dagmar für Buchprojekte. Die Mindmap ist geplottet und offensichtlich ziemlich lang. Liss sagt, sie ist siebeneinhalb Meter lang. “Du wolltest sie ja haben“, grinst und geht wieder. Liss und die Mindmap betreffen nicht das #sbsm Buch sondern das #sbsmCamp.
Auf das freue ich mich auch schon. Aber zuerst sollte einmal das Buch fertig werden … und ich überlege, wie und wo ich die siebeneinhalb Meter Mindmap-Bahn in der Wohnung an die Wand hefte. :-|
- Und im Kontakt mit Autor_innen bekommt man mit, womit andere kämpfen. Burn-out k.o. via Twitter DM mitgeteilt. Oder sich selbst Spritzen in vollkommen eitrige Stirnhöhlen jagen müssen. Liebeskummer Depri.
- Irgendwo lacht an der Stelle wahrscheinlich Luca.
March 23 2011
Grobsatz
Ich lerne neue Wörter. Grobsatz zum Beispiel. Die Vorstufe zum Feinsatz. Erklären muss ich Grobsatz nicht, unten folgt stattdessen ein Anschauungsbeispiel. Neben ganz neuen Wörtern sind da einige Begriffe der Kategorie passiver Wortschatz, die mir schon länger geläufig waren, die aber je nach Tagesverfassung und chinesischem Sternzeichen bißchen gebraucht haben, in meinem Gedächtnis richtig zugeordnet zu werden. Der Begriff Versalien etwa. Den hab ich in den letzten Wochen eindeutig in den aktiven Wortschatz übernommen, des öfteren in Diskussionen und Abstimmungsprozessen selbst aussprechend. Ähnliches gilt leider für den Begriff Migräne. Die Hoffnung besteht, dass diese Phase vorbei ist. Hat bereits zwei Monate gekostet. Nebenwirkungen einer heilsamen Therapie, Geltungsdrang beleidigter Spinalnerven. Aber mein Mitherausgeber hat sich umgekehrt das Schlüsselbein gebrochen.1
Gestern war ich wiedermal paar Stunden im Verlag und hab dort Kolleg_innen belegt. Dietmar vom Satz, dh. eben eigentlich: Dietmar vom Grob- und Feinsatz. Anhand des Beitrags zur Pressearbeit von unibrennt damals in der heißen Phase der Audimax Besetzung, anhand dieses Beitrags also, ersuche ich Dietmar, ob wir nicht noch ein wenig am Layout feinjustieren können. Obwohl ich weiß, dass ich Dagmar letzte Woche versprochen hatte, ja, das Layout ist abgenommen. Gegessen, fertig, abgesegnet. Finito, geschlossen, versiegelt, erledigt. Abgehakt.
Aber Dietmar hat mich rangelassen, hat mitgespielt. Ja, den Gesamteindruck noch ruhiger machen, mhm, schauen wir mal. Kein Leichtes angesichts der vielen “kinky elements”, wie ich sie immer nenne, aber da vielleicht die Einschubtitel, da nehmen wir die gleiche Schrift wie bei den Zwischenüberschriften. Und bei den Einschüben für die Bildelemente, geht da noch etwas? Wenn wir den Titel der Bildbox nicht über den drei thumbnails sondern unter die thumbnails und über die Legende setzen, – und können wir es bitte normal und nicht italic haben?, – dann bildet die Oberkante der Bildeinschübe eine schöne, ruhigere Fluchtlinie.2 Dagmar hat übrigens gar nicht protestiert, als sie gesehen hat, dass ich bei Dietmars Arbeitsplatz sitze und er grad im Indesign rumschraubt, weil ich mir was von “ruhiger” und “Versalien da weg” und so einbilde … Dabei haben die anderen schon gewartet.
Ich hab ja übrigens noch nie erzählt, dass wir ein Arbeitswiki haben! Seit Juli nämlich schon, Passwort geschützt, damit alle gut 40 Mitwirkenden Autor_innen dieses Buchprojekts, natürlich verstreut vom Prenzlauer Berg über Frankfurt, Stuttgart bis St. Gallen, Linz, Eisenstadt und wo immer Antje Schrupp und Robert Misik gerade unterwegs sind, damit wir alle also eine gemeinsame Arbeits- und Nachschauplattform haben, was wir da eigentlich für ein irres Buch basteln wollen. Aber zum Wiki ein anderes Mal, jetzt nur soviel: wir spielen auch das Lektorat über das Wiki und Dietmar setzt die Buchbeiträge direkt aus dem Wiki ins Indesign. Das funktioniert ganz gut, inklusive der Bilder. Die sind als Gallerien eingefügt und Dietmar holt sich die png’s von dort. Die QR Codes ebenfalls. Ich bereite sie vor, er kopiert und fügt ein. (Oder speichert er die QR Codes als Dateien ab? Ich weiß es eigentlich gar nicht.)
Die Avatare kann er nicht aus dem Wiki nehmen, da braucht es die Vektorgrafiken, die ai-Dateien, und die sind nicht im Wiki sondern bei Natalia, der Grafikerin und gezwungenen Massen-Produzentin von Avataren. Im Wiki sind pro Buchbeitrag nur die Links zu den #sbsm Profilbildern der Autor_innen und gegebenenfalls #sbsm verfremdete Logos eingefügt. Die Links führen zu Pixelgrafiken auf diese Plattform (die, wo wir jetzt grad sind). Dietmar muss also nachschauen, welche Avatare zum Einsatz kommen und sich die dann von Natalia holen. “Ob jetzt schon alle Avatare freigegeben sind“, fragt Dagmar, “und woran Dietmar sehen kann, dass ich sie freigegeben hab oder nicht?” Kompliziert, darauf geh ich jetzt nicht ein. “Und ob zwischen Dietmar und Natalia das mit dem Weitergeben der Avatare klar ist?” Ist soweit klar, sagen Dietmar, Natalia, Habiba und ich. Dagmar ist die Projektmanagerin und, ich nehme an, diesbezüglich etwas erleichtert. Habiba ist Praktikantin und Pivot für uns alle. Sie macht die Drehscheibe zwischen dem Wiki und der Lektorin und zwischen der Lektorin und Dietmar und dann wieder mir und wahrscheinlich auch zu Dagmar, und sie protokolliert im Wiki, checkt den Grobsatz, hält den Dateienfluss am koordinierten Laufen, hat jetzt auch noch zwei zu klärende Punkte auf ihrer Liste für die heutige Besprechung usw. … Nächster Punkt.
(Zu den Avataren wollte könnte sollte ich auch mal einen Projektblog Eintrag schreiben …)
Alle gemeinsam besprechen wir einige Aspekte des Beitrag Setzens, die zwischen Dietmar und mir geklärt werden müssen, aber dann auch wieder Natalia betreffen, wo es um grundlegende Layoutfragen geht. Abwägungen, ob jeder neue Beitrag auf einer rechten Seite beginnt, kurze Exkurse aus ausgebildetem Munde über das Für und Wider. Nachdem das geklärt ist, welche Leitlinie haben wir für Beitragsenden: was wenn ein Beitrag auf einer rechten Seite ganz oben endet, was wenn er mit der letzten Zeile eine linke Seite ziemlich vollständig ausfüllt? Ich bringe ins Spiel, was mir schon seit Monaten im Hinterkopf als Möglichkeit rumschwebt: Ich könnte mir vorstellen, sage ich, dass ich den einen oder anderen Glossar-Eintrag, der nicht eindeutig einem Buchbeitrag zugeordnet ist, gerne dort unterbringen würde, wo sich viel leerer Raum zwischen einem Beitragsende und einem neuen Beitrag ergibt. … So geht es weiter, die Dichte an Detailfragen und -spielräumen ist faszinierend. Irgendwann kann Dietmar gehen, zurück zum unibrennt Beitrag Grobsatz.
Die nächsten Punkte betreffen vor allem die Kompetenz von Natalia. Die Grafikerin. Die Kapitel- bzw. Abschnittdeckblätter sind noch zu strukturieren, ein Layout für diese Seiten zu entwickeln. Wir wollen mit bekannten Elementen von längeren Wikipedia-Einträgen spielen. Kategorien kommen möglicherweise auch ins Spiel, die Avatare aller Autor_innen des jeweiligen Abschnitts könnten eine Rolle auf diesen Abschnitte einleitenden Deckblättern bekommen. Ich bin schon neugierig auf Natalias Entwurf. Auch auf die Entwürfe für ein #sbsm-Logo.
Dann kommt noch dies und das, ich zeige wieder einiges auf der Plattform her (ja, diese hier), was zuletzt bei den Autor_innen-Seiten weitergegangen ist. Niel kommt ins Spiel, auch Praktikant im Verlag und so wie Habiba von der Fachhochschule St. Pölten. Dort unterrichtet der Verlagschef, die Praktikant_innen im Verlag sind auch seine Student_innen. Niel soll für uns Feeds bündeln und so Zeugs. (Auch so eine Geschichte, die man mal länger hier am Projektblog erzählen könnte.) Zwischendurch bekomm ich von Liss den Ausdruck einer Mindmap in unseren Besprechungskäfig reingebracht. Liss ist Projektmanagerin so wie Dagmar, aber für Veranstaltungsprojekte des Verlags, Dagmar für Buchprojekte. Die Mindmap ist geplottet und offensichtlich ziemlich lang. Liss sagt, sie ist siebeneinhalb Meter lang. “Du wolltest sie ja haben“, grinst und geht wieder. Liss und die Mindmap betreffen nicht das #sbsm Buch sondern das #sbsmCamp.
Auf das freue ich mich auch schon. Aber zuerst sollte einmal das Buch fertig werden … und ich überlege, wie und wo ich die siebeneinhalb Meter Mindmap-Bahn in der Wohnung an die Wand hefte. :-|
- Und im Kontakt mit Autor_innen bekommt man mit, womit andere kämpfen. Burn-out k.o. via Twitter DM mitgeteilt. Oder sich selbst Spritzen in vollkommen eitrige Stirnhöhlen jagen müssen. Liebeskummer Depri.
- Irgendwo lacht an der Stelle wahrscheinlich Luca.
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