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February 20 2012
October 11 2011
Workshop: Regionale ArbeiterInnenbewegung
Termin: Mittwoch, 19.10.2011, 10.30 Uhr
I Film: “Giù le mani”
Betriebliche Konflikte bleiben oft für einen großen Teil der Bevölkerung unsichtbar, weil sie sich hinter den Mauern der Arbeitsstätte abspielen. In den letzten Jahren gab es allerdings einige Beispiele von betrieblichen Konflikten, die nicht mehr versteckt ausgehandelt wurden sondern in die Öffentlichkeit getragen wurden. Dabei stellte sich heraus, das die Solidarität mit den Belegschaften im Rest der Bevölkerung einer Stadt oder einer ganzen Region, oft größer ist als gedacht. Diese Konflikte zeigen dass mit geschickten Kommunikationsstrategien eine, über den Betrieb hinausreichende Öffentlichkeit erzeugt werden kann, welche Machtverhältnisse grundsätzlich zugunsten von Belegschaften verschieben kann.
Als ein Beispiel solcher in der Öffentlichkeit stark wahrnehmbaren „regionalen ArbeiterInnenbewegungen“ möchten wir gemeinsam den Film „Giù le mani“ ansehen. Er dokumentiert den Kampf von ArbeiterInnen einer Lokomotivwerkstätte der SBB, welcher bald zu einer Auseinandersetzung um die Menschenwürde in einer globalisierten Arbeitswelt wurde und eine ganze Region im Kampf gegen die Schließung der Lokomotivwerkstätte vereinte.
II Beispiele regionaler ArbeitetrInnenbewegungen
Neben der Lokomotivwerkstätte in der Schweiz gibt es noch weitere wichtige Beispiele für die Sichtbarmachung und Verankerung von betrieblichen Kämpfen in einer kritischen Öffentlichkeit. Im Workshop wollen wir kurz zwei Beispiele erläutern, nämlich den Fall der „Heidelberger Druckmaschinen“ in Kiel, und den Fall INNSE in Mailand. In beiden Fällen konnte durch geschickte Kommunikations- und Campagnenstrategien sehr viel öffentlicher Druck aufgebaut werden. In beiden Fällen konnten so die Machtverhältnisse zwischen Belegschaft und Arbeitgeber maßgeblich verschoben werden. Wir wollen gemeinsam ausloten inwiefern solche Beispiele auch für Österreich beispielhaft sein könnten.
Workshopleitung:
Mag. Mario Becksteiner (Politikwissenschafter)
Andreas Francesko (Politikwissenschafter)
Workshop: Krise und Angst
Termin: Mittwoch, 19.10.2011, 16.30 bis 19.30 Uhr
I: Angst als Unternehmensstrategie und wie Angst kommunikativ erzeugt wird
Angst wird zumeist als ein diffuses Gefühl der Besorgnis oder als unlustbetonte Erregung beschrieben. Und wer kennt dieses Gefühl in der heutigen Arbeitswelt nicht. Angst wirkt unter anderem auch disziplinierend. Aus Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren oder Verschlechterungen in Kauf nehmen zu müssen, sind wir bereit, vieles zu akzeptieren. Angst lähmt auch die Handlungsfähigkeit, man denke nur an das sprichwörtliche Kaninchen, das starr vor Angst auf die Schlange blickt. Für BetriebsrätInnen und Belegschaften ist Angst nicht erst seit dem Ausbruch der Krise ein ständiger Begleiter.
In diesem Workshop wollen wir uns erarbeiten, wie Unternehmen Angst ausnützen oder auch schüren und wie BetriebsrätInnen und Belegschaften, durch Kommunikation darauf reagieren (können). Der Workshop wird stark interaktiv aufgebaut sein, um den Erfahrungsaustausch zu gewährleisten.
II: „Mehr Mut zur Wut“. Kommunikationsstrategien zum Umgang mit Angst
Wut gilt in den meisten Kulturkreisen als etwas Verwerfliches. Doch nicht erst mit dem Auftauchen des Wortes „Wutbürger“ scheint das Gefühl der Wut wieder salonfähig. Wut, das zeigen Untersuchungen, ist neben Angst heute ein ständiger Begleiter in der Arbeitswelt. Doch die negative Deutung von Wut in unseren Gesellschaften führt zu ihrer Unterdrückung.
Wir wollen im zweiten Teil unseres Workshops erkunden, ob Wut, die organisiert und zur Erreichung von Zielen genutzt wird, nicht ein wesentlicher Motor für betriebliche Konflikte sein kann. Es geht darum zu erkunden, ob unter neoliberalen Verhältnissen, Wut ein wichtiger Katalysator für die Durchsetzungen von Verbesserungen in der Arbeitswelt sein kann. Zentrale Fragen werden sein, wie wir Wut im Betrieb oder in unserem näheren Umfeld erleben und wie diese Energie positiv zur Erreichung von Zielen genützt werden kann? Müssen wir weg von einer Kultur der Angst und hin zu einer Kultur der Wut? Und welche kommunikativen Strategien können dabei möglicherweise eingesetzt werden?
Workshopleitung:
Mag. Mario Becksteiner (Politikwissenschafter)
Magª. Julia Hofmann (Soziologin)
May 26 2011
Kampagnen und Soziale Bewegungen
Strukturell gibt es fast nur Widersprüche, was eine “Kampagne” im Kern ist, und was wir unter “Sozialen Bewegungen” verstehen. Die Kampagne ist heute ein Begriff aus dem Marketing und meint in Kurzform: Werbekampagne. Die militärische Wurzel des Begriffs ist so weit aber nicht entfernt, aus dem Feldzug wurde der Werbefeldzug. Was für den Feldzug gilt, hat auch für die Marketingoffensive grundlegende Bedeutung. Es wird ein Ziel und ein Zeitraum für die Zielerreichung definiert, es werden Terrain, Ressourcen und Risiken analysiert, es wird die Strategie entworfen und planmäßig Schritt für Schritt werden die für die Kampagne gebündelten Ressourcen zum Einsatz gebracht. In der Definition eines Marketing-Lehrbuchs, zum Beispiel «Business Campaigning» von Peter Metzinger, heißt das auf den Punkt gebracht: «Eine Kampagne ist die planmäßige und befristete Bündelung von Kommunikation sowie direkter Eingriffe in Prozesse und Zustände zur Durchsetzung eines Zieles.» Sie sind Mittel zum Zweck, Maßnahmen, die im Wege des Projektmanagements umgesetzt werden.
Soziale Bewegungen zeichnet in fast jeder Hinsicht das Gegenteil von Kampagnen aus. Wir haben es mit einem ebenso vielschichtigen wie weitreichenden gesellschaftlichen Phänomen zu tun. Unter einer sozialen Bewegung verstehen die Sozialwissenschaften dezentral, lose und informal vernetzte Individuen und Gruppen, die eine geteilte Perspektive und gemeinsame Handlungsausrichtung in Bezug auf einen brennenden sozialen Konflikt verbindet. Soziale Bewegungen sind also Antworten auf soziale Konflikte, wie die Unterdrückung der Arbeiter_innen, die Unterdrückung der Frauen, die Zerstörung der Umwelt. Soziale Bewegungen beziehen emanzipatorische Position in einem gesellschaftlichen Problemfeld und zielen auf sozialen Wandel ab, auf Veränderung der herrschenden Bedingungen, die von vielen Individuen und Gruppen als nicht (mehr) akzeptabel abgelehnt werden. Wenn die Vielen sehr viele und damit ihre Anliegen sichtbarer werden, bildet sich eine kollektive Identität und Identifikation mit der Bewegung aus. Sie wird zum gesellschaftlichen Player und gewinnt Handlungsmacht. Dabei zeichnet die Soziale Bewegung beziehungsweise die «Neue Soziale Bewegung» aus, dass sie in diversen, heterogenen und dezentralen Organisationsformen agiert, dass nebeneinander verschiedene Strategien der Mobilisierung greifen und dass in der Bewegung ganz unterschiedliche Handlungstaktiken Anwendung finden können.
May 25 2011
Kampagnen und Soziale Bewegungen
Strukturell gibt es da fast nur Widersprüche, was eine “Kampagne” im Kern ist, und was wir unter “Sozialen Bewegungen” verstehen. Die Kampagne ist heute ein Begriff aus dem Marketing und meint in Kurzform: Werbekampagne. Die militärische Wurzel des Begriffs ist so weit aber nicht entfernt, aus dem Feldzug wurde der Werbefeldzug. Was für den Feldzug gilt, hat auch für die Marketingoffensive grundlegende Bedeutung. Es wird ein Ziel und ein Zeitraum für die Zielerreichung definiert, es werden Terrain, Ressourcen und Risiken analysiert, es wird die Strategie entworfen und planmäßig Schritt für Schritt werden die für die Kampagne gebündelten Ressourcen zum Einsatz gebracht. In der Definition eines Marketing-Lehrbuchs, zum Beispiel «Business Campaigning» von Peter Metzinger, heißt das auf den Punkt gebracht: «Eine Kampagne ist die planmäßige und befristete Bündelung von Kommunikation sowie direkter Eingriffe in Prozesse und Zustände zur Durchsetzung eines Zieles.» Sie sind Mittel zum Zweck, Massnahmen, die im Wege des Projektmanagements umgesetzt werden.
Soziale Bewegungen zeichnet in fast jeder Hinsicht das Gegenteil von Kampagnen aus. Wir haben es mit einem ebenso vielschichtigen wie weitreichenden gesellschaftlichen Phänomen zu tun. Unter einer sozialen Bewegung verstehen die Sozialwissenschaften dezentral, lose und informal vernetzte Individuen und Gruppen, die eine geteilte Perspektive und gemeinsame Handlungsausrichtung in Bezug auf einen brennenden sozialen Konflikt verbindet. Soziale Bewegungen sind also Antworten auf soziale Konflikte, wie die Unterdrückung der Arbeiter_innen, die Unterdrückung der Frauen, die Zerstörung der Umwelt. Soziale Bewegungen beziehen emanzipatorische Position in einem gesellschaftlichen Problemfeld und zielen auf sozialen Wandel ab, auf Veränderung der herrschenden Bedingungen, die von vielen Individuen und Gruppen als nicht (mehr) akzeptabel abgelehnt werden. Wenn die Vielen sehr viele und damit ihre Anliegen sichtbarer werden, bildet sich eine kollektive Identität und Identifikation mit der Bewegung aus. Sie wird zum gesellschaftlichen Player und gewinnt Handlungsmacht. Dabei zeichnet die Soziale Bewegung beziehungsweise die «Neue Soziale Bewegung» aus, dass sie in diversen, heterogenen und dezentralen Organisationsformen agiert, dass nebeneinander verschiedene Strategien der Mobilisierung greifen und dass in der Bewegung ganz unterschiedliche Handlungstaktiken Anwendung finden können.
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